Cash is King

Eigentlich sollte sich ein Value-Investor sollte nicht auf Aussagen oder Prognosen über das Bewertungsniveau der Aktienmärkte stützen. Vielmehr sollte er sich auf den Wert einzelner Aktien verlassen, die seiner Meinung nach als unterbewertet gelten. Dieser Vorgabe möchte Ich auch folgen. In letzter Zeit jedoch fällt es mir immer schwerer solche Werte zu finden. Ich denke anderen ergeht es ebenso.
Wie der Titel des Beitrages “Cash is King” bereits verrät werde Ich in nächster Zeit voraussichtlich von Aktienkäufen absehen, außer es sollte sich weitere Möglichkeiten vergleichbar mit IBM oder CB&I auftun. Andernfalls werde Ich meine jetzigen Positionen halten und Cash aufbauen. Warum Ich so denke hat folgende Gründe:

  1. Steiler werdende Zinskurven in den USA und Europa
  2. CAPE Shiller Ratio befindet sich auf Vorkrisenniveau

Jeder Grund für sich alleine würde keine Rechtfertigung gegen Aktien darstellen, zusammengenommen jedoch sehe Ich die Bewertungssituation, zumindest in den USA, ein wenig kritischer. Der Folgende Chart zeigt die Zinskurve der U.S.A:

Bildschirmfoto 2015-05-17 um 20.56.23

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Es ist zu sehen, dass sich im Vergleich zu den letzten Monaten die Zinsen für längerfristige Staatsanleihen in Erwartung steigender Fed Funds in der zweiten Hälfte diesen Jahres erhöht haben. Einzig eine Signifikante Schwäche am U.S. Arbeitsmarkt. könnte dies noch verhindern. Der April zeigte jedoch trotz nachlassender Konjunktur eine robuste Entwicklung mit über 200.000 neu geschaffenen Stellen. Steigende Zinsen in Zukunft sind daher wahrscheinlich. In Europa zeichnet sich ein ähnliches Bild mit stark steigenden 10 jährigen Bunds aufgrund besserer Konjunktur Aussichten. QE der EZB sollte diese Entwicklung jedoch, zumindest mittelfristig, deckeln.
Für Aktien bedeuten aber steigende Zinsen aus folgendem Grund nichts Gutes; Investoren benötigen um Aktien zu halten eine Kompensation für das einzugehende Risiko, ein sogenanntes Equity Risk Premium (ERP). Das ERP wird als die zusätzlich Rendite bezeichnet die Equities über risikolose Staatsanleihen bieten. Dieses ERP liegt gewöhnlich bei ungefähr 4%-5%. Folgender Chart veranschaulicht dies sehr gut.

ERP&Riskfree

Über die Jahre befand sich das ERP (Rote Balken) für gewöhnlich bei durchschnittlich 4% bis maximal 6%. Sollten sich nun also die Renditen risikoloser Staatsanleihen (Blaue Balken) erhöhen, müsste sich die nominale Rendite der Aktienpreise erhöhen, um Investoren das selbe ERP zu bieten. Damit Aktien eine höhere Rendite abwerfen müssen Preise fallen. Niedrigere Kurse versprechen also höhere Renditen in der Zukunft. Natürlich ist dies sehr Theoretisch gehalten und basiert auf der Annahme dass, das ERP unverändert bleibt. Ob Investoren in Zukunft geringere oder höhere ERPs verlangen kann Ich nicht beantworten.

Kombiniert man jedoch den Effekt, den steigende Zinsen auf Aktienbewertungen haben mit einem weiteren Fund, so verdichten sich die hinweise, dass Equities in Zukunft günstiger zu haben sein könnten.

Bildschirmfoto 2015-05-17 um 20.16.00

Obiges Diagramm zeigt die CAPE ratio, entwickelt von Nobelpreisträger “Bob” Shiller. CAPE steht für Cyclically Adjusted P/E Ratio. Dabei hört sich der Begriff komplizierter an als er in Wirklichkeit ist. Mit Cyclically Adjusted ist ein durchschnittliches, inflationsbereinigtes KGV über die letzten 10 Jahre gemeint. Es spiegelt daher die Gewinne der Unternehmen über einen gesamten Geschäftszyklus wieder, was wichtig ist um Unternehmen, deren Geschäftsmodell Schwankungen unterliegt (z.B. Automobil- und Ölindustrie) richtig einzuordnen. Die CAPE Ratio vergleicht also diese angepasste Gewinngröße mit den aktuellen Kursen des S&P500. Zur Zeit stehen wir bei bei einem CAPE von über 27, was dem Vorkrisenniveau im Jahre 2008 entspricht. Der Durchschnitt des Shiller CAPE´s liegt bei bei einem Wert unter 17.

Im ersten Augenblick wirkt allein dies erschreckend. Der Wert ist jedoch zu relativieren, da wir uns in einem historisch niedrigen Zinsumfeld befinden, welches Investoren in Risikoreiche Investments wie Aktien treibt und damit deren Bewertung in die Höhe steigen lässt. Sollten die Zinsen so niedrig bleiben wie zur Zeit gibt es wenig Anlass zur Sorge. Steigende Zinsen und hohe Bewertung von Aktien in Kombination stellen jedoch ein ungünstiges Umfeld für zukünftige Rendite aus Aktien dar. Hält man jedoch eine einigermaßen bedeutende Cash Position kann diese Gefahr eine Chance bieten, wenn dann starke Unternehmen zu günstigen Preisen gekauft werden können.

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8 thoughts on “Cash is King

  1. Die niedrigen Zinsen und Liquidität treibt schon Geld in Aktien. Ich beobachte zudem zunehmend eine Volatilität am Aktienmarkt. Der Bullenmarkt hält sich auch schon verdammt lange. Zusammen auch mit Deinen Gründen bin ich seit Jahresanfang auf der Seitenlinie und warte auf fallende Kurse. Bei Aktien wie Disney, Visa oder Coca-Cola könnte ein Rutsch von 30% nicht schaden. Anders wie regelmäßige Dividendeninvestoren warte ich jetzt lieber ab und stimme Dir zu.

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    1. Es ist schwer zu sagen, wann der Bullenmarkt ein Ende haben wird. Deshalb möchte Ich investiert bleiben. Zusätzlich aber Cash halten, falls wir eine Korrektur sehen, welche die Kurse wieder auf historisch durchschnittliche Bewertungen zurückbringt.
      Allerdings müssen dafür die Zinsen steigen. In den USA sehe Ich dies kommen, wenn auch in kleinen Schritten. In der Eurozone hingegen müssen wir die Wirkungen von QE und hoffentlich kommende Politische Reformen abwarten.

      Grüße & Danke fürs Vorbeischauen

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  2. Hallo,

    Glückwunsch zum schönen Blog!

    Ich sehe das ähnlich. Bei den aktuellen Bewertungen finden sich immer weniger Value Investments. Einzig in der Rohstoffbranche finden sich noch Schmuckstücke. Lange kann das nicht mehr dauern, bis zu einer Korrektur.

    Die Zockerei auf Kredit hat neue Höchststände erreicht. Wenn die Kurse fallen bekommen diese Anleger schnell kalte Füße.

    http://www.advisorperspectives.com/dshort/updates/NYSE-Margin-Debt-and-the-SPX.php

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    1. Heyhey,

      Danke für den interessanten Artikel. Du hast recht! Es mehren sich mittlerweile die Anzeichen für eine Korrektur. Wann wir diese jedoch sehen weiss Ich jedoch nicht. Beinahe die ganze Welt lockert ihre Geldpolitik weiter. Europa, China, Indien, Australien, Japan um nur einige zu nennen. Diese Liquidität hält Zinsen niedrig und treibt Investoren in höheres Risiko. Daher kann eine Korrektur noch auf sich warten lassen. Jedoch bin ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bereit diese Liquiditätsgetriebenen Kurssprünge zu kaufen.

      Welche Rohstoffaktien findest du interessant? Meiner Meinung nach sind U.S. Finanztitel noch eine der wenigen attraktiven Werte, zumal diese von einer steigenden Zinskurve in den USA profitieren sollten.

      Grüße

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      1. Ich finde die Goldminen- und Öl-Branche interessant. Siehe dazu meine Artikel auf valueblog.de (wollte keine Werbung machen, aber da du gefragt hast …).

        Banken kann man als Value Investor doch gar nicht bewerten. Selbst herrscharen von Analysten können nicht abschätzen welche Risiken in den Bilanzen schlummern. Aber viele Investoren machen sich gern etwas vor in dem sie nur auf die EK-Rendite schielen und die Risiken voll ausblenden. Niemand allein kann die ganzen komplexen Derivate-Konstruktionen durchblicken, selbst wenn die Bank alle Geschäftsunterlagen aushändigen würde.

        Rohstoffunternehmen würden von einem Zinsanstieg auch profitieren, wegen steigender Verbraucherpreise und geringerem Angebots (Kredite für vorfinanzierte Projekte werden dann teuerer; Zinsen für bestehende ebenso). Auch sollte dann die Spekulation um die Zinsanhebung weg fallen, was dem Aufwärtstrend des USD beenden könnte. Ein etwas schwächerer USD wäre positiv für die Rohstoffnachfrage.

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        1. werde mir deine Seite sehr gerne anschauen.

          Bezüglich Banken, Ich wüsste auch nicht ob Ich individuelle Titel auswählen würde. Aber ein breiter US-Banken index sollte bei steigenden Zinsen gut performen. Diese Entwicklung haben in den letzten Wochen schon gesehen.
          Mit Goldminen habe Ich mich nie beschäftigt, auch weil Ich Gold als commodity nicht einschätzen kann. Im Endeffekt denke Ich stellt Gold ausschließlich eine Versicherung gegen Inflationsangst dar. Ansonsten wird Gold wenig benötigt. Ob mann jetzt einsteigt muss wohl jeder selbst wissen. Ich persönlich sehe keine starke Inflation in den nächsten Jahren auf Grund der doch sehr hohen EU Arbeitslosigkeit.
          Öl finde Ich auch interessant, wenn man bereit ist zu warten. Ob meine Wahl (NOV) jedoch die richtige war bleibt abzuwarten.

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          1. Das ist nicht meine Seite. Ich bin dort “nur” Co-Autor. Aber schön einen weiteren Leser zu haben 🙂

            Ein breiter Banken-Index ist aber nicht Value Investing. Fällst du vom rechten Glauben ab?

            Bezüglich Gold und Inflation solltest du mal deine Annahmen kritisch hinterfragen. 😉

            NOV ist eine gute Wahl und wird den Bärenmarkt sicher überleben. Es könnte natürlich passieren, dass außerordentliche Abschreibungen (z. B. auf die sehr hohen goodwills) den Wert drücken und dadurch die Investitionsdauer sich in die Länge zieht. Aber grundsätzlich ändert sich nichts an den besseren Zukunftperspektiven.

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            1. Nein, nicht wirklich aber es hilft bei der Lösung des problems das du angesprochen hast 😉
              Was Gold und inflation angeht ist mir bewusst, dass Gold nicht wirklich als eigentlicher hedge gegen unerwartete inflation dient. Ich hatte mich hier wohl zu unpräzise ausgedrückt. Gold ist für mich ein Hafen der Sicherheit, den Investoren bei “Angst” ansteuern, seien es inflationäre oder sonstige Gründe. Aber Ich bin kein Fachmann was Gold angeht.

              Bezüglich NOV kann Ich mir USD40 durchaus vorstellen. Ein späterer einstieg wäre wohl intelligent gewesen. Festnageln will Ich mich darauf jedoch nicht, weshalb Ich meine Position halte und gegebenenfalls nachkaufe. Auf lange Sicht ist das investment sicherlich attraktiv.

              Grüße

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